Blick aufs Meer in San José

An Bord der KIRLANA

Bucht Cabo de Gata

Wir hatten es trotz Corona an Bord der KIRLANA zurückgeschafft und waren nach fast 8 Monaten wieder auf dem Mittelmeer unterwegs. Viel Zeit blieb uns nicht, aber wir wollten das Beste daraus machen.

Die erste Bucht nach 8 Monaten

Unser erster Stopp war am 02. Juni die Bucht Cabo de Gata, die gerade noch am Rande des für uns erlaubten Bereichs lag. In Spanien durfte man aufgrund der Corona-Beschränkungen die Provinzen und Regionen nicht überschreiten. In der ersten Nacht lagen wir dort mit der Wind Pearl, einer deutschen Familie. thunfisch zerlegen an bord der kirlanaAm 03. Juni folgte uns die russische Familie auf der Naos in die Bucht. Insgesamt lagen nun acht Boote hier, die alle in Almerimar überwintert hatten. Am Abend luden wir die Naos und Mat aus Schweden sowie die Wind Pearl noch einmal zum Thunfisch-Essen ein. Wir wollten auf keinen Fall etwas von diesem leckeren Fisch verkommen lassen.

Thunfisch an Bord der KirlanaBald darauf kam viel Wind auf. Das war ein Grund gewesen, weshalb wir anfangs nicht sicher waren, ob wir wirklich schon rausfahren sollten. Es waren etwa 30 Knoten und in Böen 40 Knoten vorausgesagt. Unsere Anker hatten sich super in den dicken Sand der Bucht eingegraben und wir fühlten uns in diesem Sturm sehr sicher.

Sturm an Bord der KIRLANASturm an Bord der Kirlana

Die Haddock hatte entschieden diesen Sturm im Hafen abzuwarten und kam erst am 05. Juni zu uns in die Bucht. Die Kinder freuten sich sehr. Gemeinsam wurden am Strand gespielt und nach Seeigeln und anderen Tieren gesucht. Am Strand sahen einen Oktopus. Tom machte einen Spaziergang nach San José auf der anderen Seite einer Hügelkette.

BBQ am StrandDieser Tag war etwas ruhiger und so konnten wir uns zu einem BBQ am Strand verabreden. Wir hatten einen zusammenklappbaren Grill und Kohle gekauft und die Wind Pearl hatte einen Gasgrill. Darauf haben dann sechs Boote ihr Abendessen gegrillt und am Strand gepicknickt. Für uns gab es ein letztes Mal Thunfisch.
Später wurden ein großes Lagerfeuer entzündet und Marshmallows geröstet. Es war ein wunderschöner Abend.
Kleiner Unfall: Kiran riss sich den Nagel des Ringfingers aus. ***Drei Monate später ist er vollständig und schön nachgewachsen.***

Windmühle

Ausflug

Auch der 06. Juni war vom Wind her relativ angenehm, so dass wir gemeinsam nach San José spazierten. Es war schön durch die Natur zu wandern. Die Kinder verbrachten den Nachmittag wieder am Strand. Gegen Abend kam der angekündigte Wind auf, so dass ein Treffen nicht möglich war. Uns fiel langsam auf, dass die im Winter so gewohnten Treffen unterwegs nicht mehr so einfach sein würden…

Mutter und Tochter

In der Nacht nahm der Wind zu und blies kräftig. Wir lagen sicher am Anker. Eigentlich hatten wir mit der Haddock und anderen besprechen wollen, wann wir weiterfahren. Nach Corona-Beschränkungen durften wir nicht, aber auf einem Segelboot und mit gewissen Zielen, kannst du da keine große Rücksicht drauf nehmen… Allerdings widersprachen sich die verschiedenen Windapps und es war schwierig zu entscheiden, was wir tun sollten. Es hieß also weiter abwarten und spontan entscheiden.

Aufbruch gen Osten

Als wir am 07. Juni aufwachten, war der Schwede Mat bereits aufgebrochen. Kurz darauf machte sich die Wind Pearl aufbruchsbereit und die Naos erklärte ebenfalls, dass sie nun doch Richtung Cartagena und Mar Menor aufbrechen würden.

Junge mit Seeigel

Wir checkten die Wetterdaten und vom Wind her war es aus unserer Sicht richtig, weiter zu fahren. So machten wir uns schnell bereit und wollten der Wind Pearl folgen. Die Haddock wollte noch ein paar Tage warten.

Noch immer hatten wir starken Wind. In Böen bis 30 Knoten und ähnlich wie die Wind Pearl hatten wir Schwierigkeiten den Anker zu lichten. Wir versuchten über den Anker zu fahren, aber der Wind drehte uns hin und her. Dann rauschte auch noch unsere Ankerkette raus, weil die Winsch wohl nicht ganz festgestellt war. Ein Versäumnis des „überstürzten“ Aufbruchs… Als ich etwas Kette wieder hatte hochholen können, setzte ich schnell den Bridle/Hahnepot, damit Ruhe einkehren konnte. Wir warteten ab, bis die KIRLANA wieder ruhig am Anker schwoite. Dann besprachen wir das Manöver noch einmal und holten den Anker dieses Mal korrekt ein. Wir mussten tatsächlich über den Anker fahren, da er super im Sand eingegraben war. Schließlich konnten wir Kurs Richtung Cartagena setzen.

Wohin bläst uns der Wind?

Regenbogen in der Bucht

Es war bereits recht spät und wir konnten schwer einschätzen, wie weit wir bis Sonnenuntergang kommen würden. Mit der Wind Pearl und der Naos, die uns folgte, hatten wir grob Garrucha, Aguillas oder Cartagena abgesprochen. Mats berichtete regelmäßig von der Situation an seinem Ort und fuhr durch bis in eine Bucht bei Cartagena.

Der Wind brachte uns zügig voran. Auf Sicherheit bedacht, fuhren wir erst mit dem 2. Reff, später mit dem 1. Reff. Wir konnten beim Hinuntersurfen von Wellen bis zu 14 Knoten Fahrt sehen. Das war enorm! Nach ein paar Stunden entschieden wir mit den anderen beiden Booten Aguillas anzusteuern. Das war weiter als Garrucha, aber bis zum Sonnenuntergang gut zu erreichen. Im Gegensatz zu Cartagena. Das würden wir heute nicht mehr im Hellen schaffen.

Schock an Bord der KIRLANA

Als wir uns Aguillas näherten, waren auch Fischfarmen in den Karten eingezeichnet. Wir entschieden, landseitig zu passieren und vorher das Großsegel zu bergen. Dieses Manöver ging komplett schief. Ich kann nicht genau sagen warum. Vielleicht waren wir nach den erfolgreichen Monaten des letzten Jahres zu nachlässig oder wir waren einfach aus der Übung… Jedenfalls fuhren wir zum Einholen des Großsegels in den Wind, hatten aber nur einen Motor laufen und den Bullenstander (bei uns eine Leine, die mit Karabiner am Baum und mit dem losen Ende an einer Klampe befestigt ist, damit der Baum beim Rückenwind (= vor-dem-Wind-Kurs) nicht plötzlich auf die andere Seite schlägt (= Halse), was gefährlich ist) am Baum nicht gelöst. Gleichzeitig schob uns der starke Wind immer näher an die sehr massive Fischfarm heran.

Was passierte? Der Bullenstander riss vom Baum ab und der Karabiner krachte in eine kleine Deckenluke. Die zerbrach mit lautem Knall und der Baum raste auf die andere Seite. Hier standen Tom und ich. Glücklicherweise war der Baum so hochgezogen, dass er unsere Köpfe nur leicht streifte. Unter Schock hielt ich das Boot im Wind und von der Fischfarm fern, was bei der Welle und dem Wind selbst für unsere beiden Motoren eine Herausforderung war. Ich glaube, wir standen während des Manövers an einer Stelle…

Aguillas Hafen

Als die Segel endlich unten waren, auch Dank Kirans Hilfe, steuerten wir, immer noch unter Schock stehend, nur mit Motoren auf Aguillas zu. Die Wind Pearl hatte die Fischfarm seeseitig passiert und war froh, nicht vom Wind darauf gedrückt worden zu sein.

Ankunft in Aguillas

Der Hafen von Aguillas ist klein und nicht sonderlich schön, aber man kann hinter der Hafenmauer ankern und wir waren dort trotz des starken Windes und des Schwells (Wellen, die vom Wind verursacht werden) sehr geschützt. Die Naos verpasste die Einfahrt und musste etwas gegen den Wind zurück. Das war wohl auch sehr unangenehm…

Kunstwerk in Aguillas

An Bord der KIRLANA herrschte schweigender Schockzustand. Wir beseitigten die größten Schäden, soweit dies möglich war, und untersuchten den Gesamtzustand. Tom klebte Panzerband über die zerbrochene Luke und ich sammelte die Scherben ein. Wir werden immer eine Erinnerung an dieses Manöver haben, denn ein Splitter steckt tief in der Schreibtischplatte, die unter der Luke ist. Auch hier können wir nur froh sein, dass sich gerade kein Kind in diesem Bereich aufhielt… Wir konnten den Plexiglassplitter ebenmäßig abschneiden, so dass er sich in die Platte einfügt.

Unsere weiteren Untersuchungen zeigten, dass eine Halterung/Führung der Großschot (Leine, mit der man das Schwingen des Baums von links nach rechts reguliert) am Baum und der Ring, an dem wir den Bullenstander befestigt hatten, abgerissen waren. Außerdem sah die Fock zerschlissen aus und hatte einen Riss. Wir besprachen unsere Fehler, notierten sie und kontaktierten unseren Freund Jens, der mit seiner iCut in Cartagena lag. Wir waren froh, diesen kompetenten Ansprechpartner in der Nähe zu wissen!

Not-Reparatur

Am 8. Juni versuchten wir gemeinsam mit Felix von der Wind Pearl die abgerissenen Teile am Baum neu zu nieten. Dazu bohrten wir die alten Nieten auf und lösten so auch die Endabdeckung des Baums.

Reparatur

Irgendjemand vor uns war so klug, die Halterung/Führung für die Großschot in mehrfacher Ausführung zu installieren. So mussten wir das gebrochene Teil nur entfernen und ein neues nach hinten schieben. Die passenden Nieten hatte Denis von der Naos. Allerdings hatten wir keine passende Nietenzange zur Verfügung. Felix hatte eine kleine, die nicht stark genug war, um die Nieten einzusetzen. Wir improvisierten und sicherten die Endabdeckung mit Schrauben. Jens hat eine passende Nietenzange, so dass wir die endgültige Reparatur in Cartagena durchführen würden.

Theoretisch könnten wir also bis Cartagena sogar wieder segeln. Wir waren sehr erleichtert, dass der Schaden letztlich so gering war. Das Erlebnis rief uns in Erinnerung, das wir im Grunde doch noch Anfänger sind und brachte uns den Respekt vor Wind und Meer deutlich zurück…

SeeigelAusblick

Wir beschlossen noch einen weiteren Tag in Aguillas zu bleiben und dort mit der Wind Pearl und der Naos Kirans Geburtstag zu feiern. Danach sollte es dann nach Cartagena zu Reparatur gehen. Es bleibt spannend…

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